"Spannende Naturbeobachtungen"

Eine Reihe in den Kieler Nachrichten, verfasst von Carsten Pusch

Fotos: NABU / Carsten Pusch

KW 26/2020

Die Große Teichmuschel - Unbezahlbarer Reinigungsdienst im Gewässer

Die heimischen Teich - und Flussmuscheln spielen in unseren Gewässern eine enorm wichtige Rolle. Praktisch ohne Unterbrechung filtrieren diese Tiere Schwebstoffe, Schwebetierchen oder verschiedenen Algen aus dem Wasser und verwerten diese. Die Teichmuschel atmet über Kiemen, sie nimmt dabei über eine Öffnung Wasser von außen auf, filtert dann Sauerstoff und Nahrung in den Kiemen aus. Mit der Mundöffnung wird diese dann in den Magen weitergeleitet. Etwa 40 Liter Wasser werden von einer Großmuschel in einer Stunde durchgefiltert - das ist etwa ein Kubikmeter am Tag!

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In unseren Gewässern, wie in der Schwentine und ihrer Seen, leben eine Handvoll Großmuschelarten, die großen, dünnschaligen Teichmuscheln sowie die kleineren, deutlich dickschaligeren Flussmuscheln. Immer wieder kann man bei Spaziergängen am Ufer oder während einer Kanufahrt auf den Gewässern vor allem von Bisam, seltener auch vom Fischotter aufgebrochene Schalen sehen, aber auch Möwen oder Blessrallen knacken gerne diese Leckerbissen.

 

Die beiden Schalen der Großen Teichmuschel Anodonta cygnea sind dünn, gelblich bis dunkelbraun, die Innenseite ist perlmuttartig glänzend. Das Muschelschloss - der Bereich, in dem die beiden Schalenhälften zusammenkommen - ist ohne ineinandergreifende Leisten, den sog. Zähnen, was sich schon im wissenschaftlicher Gattungsname 'Anodonta' = die Unbezahnte widerspiegelt.

 

Neben der dünnen Schale ist dies ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu den Flussmuscheln, die kräftige Schlosszähne besitzen. Schon der Name weist damit auf einen Lebensraum mit eher bewegtem Wasser hin, wo starke Scherkräfte durch Strömung oder Wellenschlag die Schalenhälften gegeneinander verschieben könnten. Die Teichmuschel kommt eher in ruhigen Gewässern, Seebuchten oder Teichen (Name!) vor, ihre dünnen Schalen können bei günstigen Lebensbedingungen bis deutlich über 20 Zentimeter groß werden. Einzelne Vertreter der Teich- und Flussmuscheln werden übrigens mehrere Jahrzehnte alt!

 

Die Großmuscheln verankern sich mit ihrem Fuß im weichen oder sandigen Boden und können sich damit auch langsam fortbewegen. Die Große Teichmuschel wühlt in stehenden Gewässern den Bodengrund auf und saugt den hochgewirbelten Bodensatz ein, um daraus Nahrung zu filtrieren. Alle diese Filtrierer z.B. auch Schwämme, Zuckmückenlarven oder anderen Arten von Muscheln reinigen das Wasser und liefern einen großen Beitrag zur Reinigung unserer Binnengewässer.

 

Teichmuscheln sind Zwitter, im Gegensatz zu den Flussmuscheln, die getrenntgeschlechtlich sind. Sie produzieren bis zu 400.000 Eier, die in den Kiemen befruchtet werden. Zwischen den Kiemen der Großmuscheln findet die Brutpflege statt. Nach dem Ausstoßen der Larven halten sich diese mit Haken und Klebefäden an vorbei schwimmenden Fischen fest und leben anschließend parasitisch vom Gewebe an deren Flossen, aber auch in den Kiemen. Für die Fische ist dieser Befall unproblematisch.

 

Nach einiger Zeit und einer Umwandlung lösen sich die nun kleinen Muscheln vom Wirt. Im durchlüfteten Lückensystem des Gewässerbodens leben die Jungmuscheln noch mehrere Jahre, bis sie dann selber geschlechtsreif werden. Zu den Wirten zählen verschiedene Fischarten, gerne Karpfen oder aber Bitterlinge. Ein Verhältnis mit gegenseitigem Nutzen: Während die Muschel die Fischembryos des Bitterlings aufnimmt, heften sich die Hakenlarven der Teichmuscheln beim Bitterling an.

 

Die großen Muscheln haben als Nahrung für den Menschen kaum eine Rolle gespielt. In der Literatur finden sich vor allem Hinweise, dass die Muscheln früher wohl so häufig waren, dass sie lokal als Schweinefutter verwendet wurden und ihre Schalen für Schotterwege. Von solchen Populationsgrößen sind wir leider ganz weit entfernt. Einige früher häufige Großmuschelarten wie die Bachmuschel sind mittlerweile so selten geworden, dass sie kurz vor dem Aussterben stehen. Dabei können wir auf diese Verbündeten im Gewässerschutz überhaupt nicht verzichten!

KW 25/2020

Pflanzengallen - Kleine Welten am Wegesrand

Rote Bohnen auf Weidenblättern, schwammige „Äpfel“ an Eichentrieben, zigarrenförmige Verdickungen von Schilfhalmen oder zottelige Kugeln an  Rosengewächsen - aufmerksame Naturfreunde finden bei ihren Spaziergängen immer wieder solch Gebilde. Es handelt sich um Pflanzengallen - hoch interessante Kleinstlebensräume am Wegesrand. Haben Sie sich die schon mal näher angeschaut? Falls nicht, sollten Sie das unbedingt nachholen - es lohnt sich!

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Zahlreiche Wirbellose leben auf, in und von Pflanzen. Sie fressen Teile - oder gleich die ganze Pflanze. Viele saugen Flüssigkeit aus dem pflanzlichen Gewebe. Vereinzelt reagieren die Pflanzen darauf mit auffälligen Wachstumsreaktionen. Je nach Wirtspflanze und Verursacher kommt es zu typischen Gebilden, einer Galle. Verursacher können Bakterien, Pilze oder tierischen Ursprungs sein wie Insekten aus den Gruppen der Wespen, Schmetterlingen oder Mücken. Auch Spinnentiere, die Gallmilben, verursachen diese Reaktionen. Anhand der typischen Galle kann man den Verursacher bestimmen. Gallen können grundsätzlich an allen Pflanzenorganen auftreten. Die Bildung selbst erfolgt durch Reize des Gallerregers, entweder bereits beim Einstich zur Eiablage oder durch Saugen bzw. Fressen des Parasiten an der Wirtspflanze. Die Gallen bieten dem schlüpfenden und wachsenden Nachwuchs vor allem Nahrung und auch Schutz. Denn bestimmte Gallen haben auch schützende Hüllen aus verholzten Steinzellen, die eine harte Schale gegen Fressfeinde oder Parasiten bilden.

 

Stachelige Pflanzengalle(NABU/C. Pusch)

Die Lebenszyklen der verschiedenen Gallerreger sind sehr unterschiedlich ausgebildet. Bei Gallwespen sind die sehr kompliziert und verschachtelt, verlaufen z.T. über zwei Generationen mit sehr verschieden aussehenden Gallen. Die der einen Generation entwickeln sich etwa an Eichenwurzeln, die Gallen der anderen an Blättern oder Knospen. Tiere der einen Generation können geflügelt, die der anderen ungeflügelt sein. Alles sehr kompliziert! Einzelne Arten wechseln sogar von Generation zu Generation die Wirtspflanzenart.

 

Gallerreger sind, trotz des geschützten Unterschlupfes, zahlreichen parasitischen Insekten ausgesetzt. Die Larven dieser Gegenspieler leben dann auch in der Galle, töten ihre Wirte letztlich - und fressen sie auf. Hierzu zählen vor allem Vertreter der Schlupf- und der kleinen, meist auffällig metallisch gefärbten Erzwespen. Auch diese Wespen haben wiederum Gegenspieler, die sie parasitieren - ein kompliziertes und verschachteltes Beziehungsgeflecht über mehrere Nahrungsebenen!

 

In vielen Gallen leben auch Einmieter, die neben dem Gallerzeuger die Galle bzw. das Gewebe nutzen, sie ernähren sich überwiegend davon. Selbst verlassene Gallen werden noch von Nachmietern genutzt. Es gibt verschiedene Wildbienen- und Grabwespenarten, die teilweise sogar ausschließlich verlassene, verholzte Gallen als Neststandort nutzen. Blicken Sie noch durch?

 

Einige Pflanzengallen hatten früher sogar eine wirtschaftliche Bedeutung. Der hohe Gehalt an Gerbsäuren machte bestimmte Gallen für das Gerben von Leder interessant. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden ganze Waggonladungen von Gallen vom Balkan nach Deutschland importiert. Andere Gallen wurden auch zur Herstellung von schwarzer Tinte, der sog. Eichengallustinte, genutzt. Die sog. „Schlafäpfel“ der Rosengallwespe wurden bei Schlafstörungen unter dem Kopfkissen gelegt.

 

Ein Schlafapfel der Rosengallwespe (NABU/C.Pusch)

Viele Arten von Gallen sind leicht zu finden und gut zu bestimmen. Besonders die auffälligen Gallen an Weiden, Rosen oder Eichen bieten auf kleinstem Raum sehr interessante Kleinökosysteme. In der Umweltbildung oder im Rahmen von Schulprojekten lassen sich damit biologische Themen und ökologische Abläufe veranschaulichen und verfolgen. Auch für erwachsene Naturinteressierte sind immer wieder überraschende Beobachtungen möglich - einfach nur mal genau hinschauen - wir sind nicht alleine!

KW 24/2020

„Ich hab heut einen Kolibri gesehn ... vielleicht?“ - Das Taubenschwänzchen

Eine der überraschesten Beobachtungen am Wegesrand stellt ein Tier dar, welches blitzschnell, ruckartig von Blüte zu Blüte fliegend umhersaust, im Flug in der Luft steht und an der Blüte saugt. Viele Naturinteressierte erkennen häufig nicht sofort, um was für ein Tier es sich handelt. Immer wieder werden den Umweltberatungsstellen, so auch dem NABU im Kreis Plön, freudig derartige Beobachtungen gemeldet. „Wir haben heute einen Kolibri gesichtet! Was sagen Sie dazu?“ Schon bei der Andeutung berechtigter Zweifel werden diese Beobachtungen zunächst häufig energisch verteidigt „Doch, ganz sicher!“. Leider wird man Kolibris aber bei uns vergebens suchen. Es ist ein Schmetterling, das Taubenschwänzchen. Dabei handelt es sich um einen Wanderfalter, der immer wieder aus dem Mittelmeerraum zu uns kommt.

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Das Taubenschwänzchen gehört zu den eigentlich nachtaktiven Schwärmern, ist also ein Schmetterling. Diese Art aber fliegt auch tagsüber vor allem Blüten mit langem Kelch an, die es mit dem gut drei Zentimeter langen Saugrüssel nutzen kann. Taubenschwänzchen kommen auch gerne in Gärten, wo sie an Geranien, an Lichtnelken, Phlox und Sommerflieder Nektar tanken. Im kleinen Apothekergarten vor dem Plöner Kreismuseum, der immer einen Besuch wert ist, kann man das Taubenschwänzchen gelegentlich an der Roten Spornblume beobachten. Die Nahrungspflanzen der Raupen sind vor allem verschiedene Labkräuter-Arten.

 

Selbst bei Regen ist das Taubenschwänzchen im Gegensatz zu vielen anderen Insekten aktiv. An besonders heißen Tagen wird aber die Mittagszeit gemieden und dann morgens sowie in den Abendstunden bis in die Nacht hinein geflogen.

 

Das Taubenschwänzchen ähnelt in seiner Gestalt einem kleinen Vogel. Insbesondere der breite, schwarz-weiß gezeichnete Hinterleib, der wie ein Federschwanz aussieht, führt den Beobachter in die Irre. Die scheinbaren Federn sind jedoch verlängerte, abspreizbare Schuppen, mit deren Hilfe Taubenschwänzchen beim Schwirren vor den Blüten ausgezeichnet steuern können.

 

Auch aufgrund des ungewöhnlichen Flugs ist der Falter leicht mit einem Kolibri zu verwechseln. Vor jeder Blüte bleibt es kurz im leicht brummenden Schwirrflug stehen, um dann ruckartig die nächste Blüte anzusteuern. Taubenschwänzchen gehören zu den wenigen Insekten, die auch rückwärts fliegen können. Durch Wind verursachte Bewegungen der Pflanzen können im Flug dank der guten Augen ausgeglichen werden, die Position zur Blüte bleibt so immer gleich. Mit 70 bis 90 Flügelschlägen in der Sekunde erreichen die Falter eine Geschwindigkeit von bis zu 80 Kilometer in der Stunde. Innerhalb von fünf Minuten kann der Schmetterling so mehr als hundert Blüten besuchen. Durch die Distanz zwischen Blüte und Insekt besteht auch ein Schutz vor auf und unter den Blüten lauernden Fressfeinden wie der Krabbenspinne. Aber auch für Vögel ist so ein „Hibbelmors“ schwer zu erbeuten.

 

Dank ihrer hervorragenden Flugeigenschaften legen Taubenschwänzchen Wanderungen bis zu 2.000 Kilometer zurück und gelangen bis nach Skandinavien. Neuerdings überwintern Taubenschwänzchen in einigen milden Regionen Süddeutschlands. Die Mittelmeer-Taubenschwänzchen wiederum kommen gelegentlich, je nach aktueller Populationsgröße und den klimatischen Bedingungen in Einwanderungswellen frühestens ab Ende April zu uns. Deren Nachwuchs schlüpft gegen Mitte bis Ende Juli, so dass im Laufe des Sommers sowohl Mittelmeer-Taubenschwänzchen wie auch in Deutschland geborene Tiere auftreten und dabei immer weiter nach Norden wandern. Wie viele Generationen pro Jahr das Taubenschwänzchen in Deutschland ausbildet, ist noch ungeklärt; in Südeuropa sind es immerhin drei bis vier.

 

Für Beobachter ist das Taubenschwänzchen eine attraktive Falterart, für Naturfotographen auch - der Versuch eines Fotos treibt allerdings reichlich Schweißperlen auf die Stirn. Versuchen Sie es doch mal - viel Spaß!

KW 23/2020

„Vergängliche Kunst am Bau“- Die Gemeine Schornstein-Wespe

Wer auf seinem Spaziergang sandig-lehmige Abbruchkanten oder Insektennisthilfen mit Lehmelementen aufmerksam absucht, wird gelegentlich mehrere Zentimeter lange, kunstvoll durchbrochene, an Wasserhähne erinnernde Röhren finden. Noch während der Naturfreund überlegt, was das denn sein könnte, kommt flink eine kleine, 10 bis 13 Millimeter lange, schlanke Wespe angeflogen - und schlüpft schnell in die Röhre hinein. Dabei handelt es sich um ein Weibchen der Gemeinen Schornstein-Wespe. Ihr schwarzer Hinterleib trägt schmale und gerade verlaufende, gelbe Binden. Die Männchen kann man an spiralig eingerollten Fühlerspitzen erkennen. Es gibt mehrere sehr ähnliche Arten innerhalb der Gattung dieser einzeln, solitär lebenden Faltenwespen. Faltenwespen nennt man übrigens alle Wespenarten, die ihre Flügel bei Nicht-Nutzung der Länge nach falten können.

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Die Gemeine Schornstein-Wespe ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Man findet sie an lehm- und lösshaltigen Steilwänden, wie etwa in Sandgruben, an den Ufern von Gewässern oder an Hohlwegen. Seltener nistet sie auf waagerechtem, vegetationslosem Boden. Aber auch an geeigneten Nisthilfen für Insekten kann man diese Art antreffen. Früher war Lehm ein viel häufigerer Baustoff im Siedlungsbereich, zudem fehlen vielfach die notwendigen Kleinstrukturen in der Landschaft, daher ist das Vorkommen dieser Art aufgrund der weniger werdenden Nistmöglichkeiten insgesamt wohl rückläufig.

 

Die Flugzeit der Schornstein-Wespe dauert von Ende Mai bis Juli. Die Art nistet gerne in kleinen Ansammlungen. Die Weibchen legen ihre Nester meist an Steilwänden, seltener ebenerdig an und graben dazu einen Gang schräg nach unten. Zum Bau des Nestes im (nicht zu) harten Lehm wird Wasser - bei Wassermangel auch andere Flüssigkeiten wie z.B. die Absonderungen („Kuckucksspeichel“) von Schaumzikaden-Larven - herantransportiert. Im aufgeweichten Boden fangen die Wespen dann mit ihren Kiefern an zu graben. Der Aushub wird nicht einfach fallengelassen oder irgendwo hin transportiert, sondern kunstvoll, Klümpchen für Klümpchen, ringförmig direkt am Eingang angeklebt. So entsteht nach und nach ein charakteristischer, anfangs waagerechter, später nach unten gekrümmter, wasserhahnförmiger „Schornstein“. Bei waagerecht am Boden angelegten Nestern zeigt dieser schräg nach oben. Die einzelnen Lehmklümpchen werden nicht dicht aneinandergefügt, so dass die Röhre gitterförmig durchbrochen ist. Sie kann bis zu fünf Zentimeter lang werden und hat einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter. Die genaue Bedeutung dieser einzigartigen, kunstvollen Bauweise ist unklar. Man vermutete früher, dass der Vorbau Parasiten den Zugang zum Nest erschweren sollte, was aber nachweislich nicht der Fall ist. So gibt es u.a. gleich mehrere Goldwespenarten, die gerne ihre Eier als „Kuckuck“ in die Nester des Wirts legen oder den Trauerschweber, eine Fliegenart, die ebenfalls gerne Nutznießer der Vorratslager der Wespe ist. Wahrscheinlich dient die kunstvolle Lagerung des Lehms lediglich als Materialzwischenlager für den Verschluss des Nestes - ist also nur vorrübergehende Kunst am Bau. Der erste Regen zerstört diese filigranen Bauwerke vielfach schon vorher, oder sie zerfallen bereits nach kurzer Zeit.

 

Die Gemeine Schornstein-Wespe mit Beute (NABU/C. Pusch)

Das Nest im Inneren des Erdbodens besteht aus einem knapp 5-8cm langen Hauptgang, von dem traubenförmig bis zu 7 längliche Kammern abgehen. An die Decke jedes dieser Kammern legt die Wespe ein gestieltes Ei ab. Anschließend wird die Kammer mit 10-30 Rüsselkäfer-Larven als Nahrungsvorrat für die später schlüpfende Wespen-Larve gefüllt. Nach und nach werden vom Hauptgang abzweigend weitere Kammern angelegt, in die wiederum jeweils ein Ei und Rüsselkäfer-Larven als Lebendfutter gelegt werden. Zum Abschluss wird der Eingang des Nestes durch das Material des Vorbaus, dem „Schornstein“, wieder verschlossen.

 

Die Beobachtung dieser interessanten Wespe ist wirklich ein spannendes Naturerlebnis, neben der Bewunderung des filigranen Kunstwerkes am Bau kann man der für den Menschen völlig harmlosen Wespe bei der Verproviantierung aus nächster Nähe zuzuschauen. Versuchen Sie doch mal die Art in Ihren Garten oder auf Ihren Balkon zu locken - viel Erfolg!

KW 22/2020

Trotz gewagter Farbgebung vielfach übersehen - die Kolbenente

Heute einmal sollten sich die Blicke der Corona-Spaziergänger auf die Wasserflächen der Schwentine-Seen richten. Mit ein wenig Glück können dabei Arten beobachtet werden, mit denen viele Naturfreunde hier gar nicht rechnen - wie zum Beispiel die Kolbenente. Diese Vogelart ist eine etwa stockentengroße Tauchente, die bis zu 30 Sekunden unter Wasser bleiben kann. Das Männchen ist im Prachtkleid mit seiner fuchsroten Kopffärbung, dem scharlachroten Schnabel und den roten Augen mit keiner anderen Ente zu verwechseln. Brust, Kropf, Unterschwanzdecken sowie der Bauch sind schwarz. Die Flanken sind weiß und der Rücken sowie die Flügel braun gefärbt - ganz schön bunt und auffällig! Eine lose Federhaube betont den im Vergleich zum Körper überproportional großen Kopf. Im Schlichtkleid ähnelt das Gefieder der Männchen dem der Weibchen.

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Die Schwerpunkte des europäischen Brutgebiets der Kolbenente liegen im westlichen Mittelmeergebiet. In Mitteleuropa gibt es nur inselartige Vorkommen, sie ist eine bei uns nur selten brütende Entenart. Dies lässt sich wohl damit erklären, dass die Art Mitteleuropa erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts - von Südfrankreich ausgehend - besiedelte. Ab 1920 zählt die Kolbenente zum Brutvogelbestand Deutschlands, bekannte Brutgebiete liegen beispielsweise am Bodensee in Süddeutschland. Außerdem brütet die Kolbenente an einigen Seen in den Niederlanden, in Mecklenburg-Vorpommern und in Schleswig-Holstein, hier vor allem am Großen Plöner See, Behler See oder Dobersdorfer See. Der Bestand im Raum Plön beträgt laut Bernd Koop von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein aktuell noch etwa 10-15 Brutpaare, die v.a. auf den Möweninseln brüten. Im vergangenen Jahr verloren wohl fast alle Brutpaare ihre Gelege durch Wanderratten.

 

Nach der Arealausweitung und der Zunahme des Bestands in vielen Gebieten Europas ist die Kolbenente seit den 1970er Jahren in vielen Gebieten wieder rückläufig, aktuell kommt es jetzt jedoch zu leichten Bestandsschwankungen. Die Ente ist bei uns ein Zugvogel und überwintert im Mittelmeerraum, dem Schwarzmeergebiet sowie Ägypten und Vorderasien. Seit den 1990er Jahren überwintern aber auch an den Gewässern in Mitteleuropa viele Kolbenenten.

 

Die Nahrung der Ente besteht überwiegend aus Laichkräutern und Armleuchteralgen, die tauchend oder gründelnd aufgenommen werden. Mit den Pflanzen nehmen die Kolbenente zudem anhaftende Schnecken, Wasserinsektenlarven und andere Wirbellose auf.

 

Die Kolbenente wird nach einem Jahr geschlechtsreif. Die Balz beginnt bereits im Herbst und steigert im Winterquartier die Intensität. In Herbst und Winter ist zunächst eine Gruppenbalz mehrerer Erpel charakteristisch, zum Ende der Balzzeit geht diese in eine Einzelbalz über. Dabei zeigt die Kolbenente ein bei Entenvögeln nur sehr selten beobachtetes „Balzfüttern“. Der Erpel taucht dabei mit Pflanzenteilen im Schnabel auf und bietet diese dem Weibchen an – manchmal nehmen diese auch an.

 

Ein Kolbenenten-Pärchen (NABU/C.Pusch) Das Nest der Kolbenente mit über zehn cremefarbenen bis hellgrünen Eiern findet sich am Ufer in der dichten Vegetation. Häufig nutzen mehrere Weibchen ein Nest. Die Eiablage beginnt in Mitteleuropa ab dem Mai. Mit der Ablage des letzten Eis beginnt die Bebrütung durch das Weibchen, die etwas mehr als drei Wochen lang andauert. Während der Brutpausen verbleibt das Männchen in der Nähe des Nestes und überwacht dieses. Ein eher ungewöhnliches Verhalten, denn Enten-Erpel übernehmen meist keine aktive Rolle während der Brut oder der Aufzucht der Jungen. Die Jungen sind Nestflüchter und werden nach gut sechs bis sieben Wochen flügge. Eine Kolbenente kann bis zu sieben Jahre alt werden.

Achten Sie doch einmal beim nächsten Spaziergang an unseren Seen auf diese attraktive und interessante Entenart! Zu Zeit sind leider noch keine Führungen oder weitere Veranstaltungen möglich, aber wir freuen uns darauf, Ihnen hoffentlich bald wieder diese kleinen und großen Naturerlebnisse unserer Region auch draußen vor Ort vorstellen zu können. Weitere Informationen bei den Natur-, Umwelt- und Abfallberatungsstellen im Kreis, unter ploen@umweltberatungsstelle.de oder der Tel.: 04522-2173.

KW 21/2020

Schwarz-rote Stinker und Schaumschläger
Streifenwanze und Blutzikade

Wer an schwarz-rote Insekten denkt, dem fallen als erstes Marienkäfer ein. Besonders der allen bekannte 7-Punkt Marienkäfer ist durch sein auffälliges, hübsches Rot mit schwarzen Punkten, die aber eigentlich eine Warnfarbe darstellt, gekennzeichnet. Aber auch andere Insekten nutzen diese Farbkombination. Gehen Sie doch mal beim nächsten Corona-Spaziergang mit ihrer Familie auf die Suche nach Farben, heute einmal: Schwarz und Rot.

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Unter den Insekten am Wegesrand sind in dieser Farbkombination vor allem zwei weitere Arten zu finden, die Schaum schlagende Blutzikade und die (nicht immer) stinkende Streifenwanze. Beide Arten zählen zu den bei uns eher unbekannten Insektengruppen der Zikaden und Wanzen, da ihre Vertreter häufig nicht besonders groß oder auffällig werden. Im Urlaub in südlichen Ländern haben aber viele schon einmal die sehr lauten Gesänge von Singzikaden gehört, und vor Bettwanzen fürchten sich viele Schläfer. Aber auch bei uns gibt es eine ganze Anzahl interessante Vertreter aus diesen Gruppen.

 

Ihren Namen trägt die erwachsene, bis zu 10 Millimeter große Blutzikade aufgrund der leuchtend roten Zeichnung auf den festen, schwarzen Vorderflügeldecken. Die auffällige Färbung weist auf chemische Inhaltsstoffe hin, die die Art für einige Insektenfresser ungenießbar machen. Für den Menschen ist die Art völlig ungefährlich und harmlos. Die dachartige Haltung der festen Vorderflügel ist charakteristisch für Zikaden. Bei Bedrohung oder Störung katapultieren sich die kleinen Insekten aber aufgrund der sehr guten Sprungkraft der kräftigen Beine blitzschnell weg.

 

Die Nahrungsaufnahme der Blutzikade erfolgt durch das Anstechen und Aussaugen bestimmter Pflanzenteile. Wie durch einen Strohhalm nehmen die Insekten die flüssige Nahrung auf. Die meisten Arten der Zikaden sind dabei auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert, die Blutzikade saugt allerdings an verschiedenen Gräsern und Kräutern, vorwiegend an hochwüchsigen Kräutern und Gräsern wie Glatthafer, Brennnessel, Lupinen oder Wiesensalbei. Als Lebensraum nutzt die Blutzikade vor allem Weg- und Grabenränder, Hochstaudenfluren, aber auch Magerrasen oder Lichtungen. Die Art hat sich stark nach Norden ausgebreitet, war früher sehr häufig, ist mittlerweile aber deutlich rückläufig.

 

Auch die Männchen der Blutzikaden sind übrigens durch spezielle Trommelorgane in der Lage, rhythmische Gesänge zum Anlocken der Weibchen zu produzieren, allerdings sehr viel leisere als die Verwandten im Süden Europas. Während der Paarung sitzt das Männchen schräg neben dem Weibchen in einer für Blutzikaden typische V-Stellung. Die Eier werden in Bodennähe an den Wirtspflanzen abgelegt. Versteckt im Boden oder unter Steinen an den Wurzeln der Pflanzen leben die in einem Schaumnest eingehüllten Larven. Dieser Schaum wird durch das Einpumpen von Luftbläschen in eine eiweißhaltige Flüssigkeit hergestellt, welche die Larven aus dem After abscheiden. Das Schaumnest, in dem die Larven auch überwintern, schützt vor Feinden, der Schaum sorgt vor allem aber für den Erhalt der für die Weiterentwicklung notwendige Feuchtigkeit und Temperatur.

 

Blutzikaden sind beliebte Motive bei der Verzierung von Alltagsgegenständen wie Vasen, Tischdecken oder Briefmarken. In Südfrankreich drücken Zikaden geradezu symbolhaft das leichte, mediterrane Lebensgefühls aus. Meist sind es zwar Singzikaden, die dargestellt werden, häufig aber auch die farbintensiven Blutzikaden.

Die Streifenwanze ist eine Art aus der Familie der Baumwanzen. Diese 8 bis 12 Millimeter großen Tiere sind durch ihr namensgebendes, rot-schwarzes Streifenmuster unverwechselbar. Auf der Oberseite finden sich sechs schwarze Längsstreifen auf rotem Grund, unterseits finden sich schwarze Punkte. Baumwanzen können sehr gut fliegen. Etliche Arten besitzen Stinkdrüsen, mit denen sie übel riechende und zum Teil toxisch wirkende Substanzen absondern können, mit denen Angreifer oder Beutetiere abgeschreckt oder sogar betäubt werden. Jeder, der schon mal eine Baumwanze in die Hand genommen und ein wenig geärgert hat, wird das schon einmal gerochen haben.

 

Streifenzikade (NABU/C.Pusch)

Die Verbreitungsgrenze der Streifenwanze hat sich in den letzten Jahrzehnten stark nach Norden ausgedehnt, so dass die Art mittlerweile bis zur Nord- und Ostsee vorkommt. Sie ist mittlerweile überall häufig. Besiedelt werden offene bis halbschattige Bereiche trockener bis feuchterer Lebensräume. Streifenwanzen sind hinsichtlich ihrer Futterpflanzen ebenfalls unspezifisch. Sie saugen an den reifenden Samen von Doldenblütlern wie Wilder Möhre, Giersch, Haarstrang, Engelwurzen, in Gärten auch an Dill oder Fenchel. Die erwachsenen Insekten überwintern in der Bodenstreu oder in Pflanzenpolstern.

 

Die beiden Vertreter aus der Familie der Zikaden und Wanzen lassen sich mit ein wenig Glück und „offenen Augen“ entlang vieler Spazierwege finden. Setzen Sie sich vor einem Bestand mit Wildkräutern und versuchen Sie sich einzulassen auf die große Welt der kleinen Lebewesen vor unserer Nasenspitze. Und freuen Sie sich darauf, wenn die Umweltberatungsstellen im Kreis Plön in der Nach-Corona-Zeit auch wieder Führungen und Veranstaltungen zum Thema Natur und Umwelt anbieten können. Weitere Infos unter ploen@umweltberatungsstelle.de oder Tel: 04522-2173 - oder den weiteren Umweltberatungsstellen im Kreis Plön.

KW 20/2020

Reichlich Lehm vor der Hütte bei Familie Kleiber

Wer in Zeiten der Corona-Pandemie bei ausgiebigen Spaziergängen in Wald und Wiesen seine Sinne schärft und vor allem die Ohren spitzt, wird ihn zuerst hören, bevor sich der Vogel auch mal blicken lässt - den Kleiber. Denn die Art  ist sehr ruffreudig - und ganz schön laut. Der Gesang des Kleibers umfasst ein umfangreiches Repertoire. Bei der Nahrungssuche ruft er einen scharfen, etwa wie „zit“ klingenden Kontaktruf, bei Erregung gibt er einen kräftigen etwa wie „twett“ klingenden Warnruf ab. Dieser wird oft in schnellen, kurzen Folgen mit kurzen Pausen gerufen. Der eigentliche Gesang besteht dann aus mehreren, lauten Strophen unterschiedlichen Typs, die von einer erhöhten Sitzwarte aus vorgetragen werden.

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Der Name „Kleiber“ bezieht sich übrigens darauf, dass der Kleiber den Eingang seiner gewählten Bruthöhle in einer Baum- oder Spechthöhle oder einem künstlichen Nistkästen mit Lehm verklebt, um sie selbst zu nutzen. „Kleiber“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen (von kleiben „fest heften, befestigen, schmieren, verstreichen, kleben“) und bezeichnete Handwerker, die Lehmwände erstellten. Denn mit einer Mischung aus Lehm und Speichel mauern die Vögel ihre Höhle soweit zu, dass ihre Eier und Jungvögel vor dem Zugriff von Mardern und anderen Räubern geschützt sind. Selbst die 12cm große Öffnung eines Schellentenkastens kann dabei fast vollständig zugemauert werden. Die verbleibende Öffnung ist gerade mal so groß, dass die Kleiber noch hineinschlüpfen können. Wer einmal versucht hat, einen Nistkasten zu öffnen, den zuvor ein Kleiber genutzt und daher alle Ritzen und Öffnungen zugemauert hat, weiß, wie betonhart der dafür genutzte Lehm wird - meist hilft nur noch ein Hammer, um den Kasten im Herbst öffnen und reinigen zu können.

 

Kleiber legen ihre Bruthöhlen mit Rindenstückchen, Haaren, Gras und Federn aus. Fünf bis neun milchig weiße Eier mit rostroten Flecken werden im  April bis Mai gute 14 Tage bebrütet, die Jungvögel anschließend gut drei Wochen lang gefüttert.

 

Der etwas gedrungene Kleiber erreicht eine Körperlänge von bis zu 15 Zentimetern. Markant ist sein kräftiger kurzer Schnabel, die blaugraue Gefiederoberseite sowie die schwarzen Augenstreifen.  Geschickt klettern die Vögel ruckartig und flink an Stämmen und Zweigen entlang. Im Gegensatz zu den Baumläufern und auch zu den Spechten können die Kleiber kopfüber klettern. Dabei setzen die Kleiber einen Fuß vor und krallen sich mit dem anderen fest an die Rinde des Baumes. Sie „laufen“ also am Baumstamm entlang - Spechte und Baumläufer stützen sich hingegen mit dem Schwanz ab und setzen beide Füße gleichzeitig vor. Der Kleiber wird daher auch „Spechtmeise“ genannt, da Lebensweise und Aussehen an Spechte und Meisen erinnert.

 

Eingang der Kleiberhöhle (NABU/C.Pusch)

Die Nahrung des Kleibers besteht aus Insekten, deren Eiern und  Larven. Im Herbst kommen Samen, Beeren und Nüsse dazu. Größere Beute klemmt der Kleiber in eine Rindenspalte. Mit dem kräftigen Schnabel hackt der Vogel dann mundgerechte Bissen ab. Für den Winter legen Kleiber auch Futtervorräte an.

 

Der Kleiber ist ein Standvogel, bleibt auch im Winter im Land und ist recht standortreu. Die Verbreitung des Kleibers in Schleswig-Holstein deckt sich  weitgehend mit der Verbreitung von älterem Laubholz im Land, die Art kommt also vor allem im Östlichen Hügelland vor. Sie ist an Laubholz gebunden, bevorzugt dabei Bestände mit hohem Anteil von Alt- und Totholz. Der Kleiber hat zwar von den milden Wintern sowie der Eichel- und Buchenmast der letzten Jahre profitiert, trotzdem leidet die Art unter der intensiven Nutzung in den Forsten des Landes. Besonders die Entnahme von forstlich weniger wertvollen Bäumen aus Randbeständen, wie alte Überhältereichen oder absterbende Bäume für die Brennholznutzung stellt für den Kleiber ein Problem dar.

 

Versuchen Sie doch einmal bei einem Spaziergang in den Wäldern rund um Plön mit Ihrer Familie einen Kleiber „mit den Ohren“ zu finden und dann mit einem Fernglas zu erspähen. Häufig kann man auch ein leises Hämmern vernehmen, wenn eine Spechtmeise ihr Futter sucht und sich energisch an einer verheißungsvollen, morschen Baumrinde abarbeitet. Meist lassen sich die Vögel, wenn man sie erstmal gefunden hat, auch gut beobachten, wie sie systematisch die Bäume nach Nahrung für sich und ihren Nachwuchs absuchen.

 

Weitere Informationen unter ploen@umweltberatungsstelle.de oder 04522-2173 oder den weiteren Umweltberatungsstellen im Kreis Plön.

KW 18/2020

Ein Spalier von Zipfelmützen - der Aronstab

Nachdem die Blütezeit der Frühjahrsblüher wie Buschwindröschen oder Lerchensporn sich dem Ende nähert, sprießen jetzt an vielen Wegrändern - beispielsweise im Bereich des Schlosswalds oder der Prinzeninsel - weitere Pflanzen aus dem Boden. So finden sich Knoblauchsrauken oder Goldnesseln, vereinzelt kann jetzt auch der Bärlauch blühend gefunden werden, erst auf den zweiten Blick auffällig sind aber vor allem die spitzen, aufrecht stehenden Blütenstände des Aronstabes. Das ist wirklich eine ungewöhnliche Pflanze! Links und rechts ragen sie am Wegesrand aus der Vegetation empor - ein Spalier aus Zipfelmützen, eine Versammlung von Zwergen, durch die die Spaziergänger wandern!

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Seinen Namen verdankt der Aronstab der biblischen Figur des Aaron, dessen Stab als Zeichen seiner Auserwählung zum Hohepriester ergrünte.

 

Der Gefleckte Aronstab Arum maculatum wächst vor allem in Laubmischwäldern und Gebüschen und ist in Mittel- und Südeuropa heimisch. Dabei bevorzugt die zu 40cm hohe Pflanze lichte und nährstoffreiche Laub- und Mischwälder. Die ausdauernden, krautigen Pflanzen überwintern mit Knollen. Die Laubblätter besitzen eine spieß- bis pfeilförmige Form und glatte Blattränder.

 

Spektakulär ist der Aufbau der Blüte und der Weg der Bestäubung: Die Art ist einhäusig getrenntgeschlechtig, d.h. männliche und weibliche Blütenanteile befinden sich an einer Pflanze. Der typische Blütenstand besteht aus einem Schaft, einem tütenförmigen, weißgrünen Hochblatt, das wie eine Zipfelmütze einen braunen Kolben umschließt und überragt. Am unteren Ende des Kolbens befinden sich die eigentlichen Blüten, sowohl männliche als auch weibliche. Zwischen den fruchtbaren männlichen und weiblichen Blüten sitzen mehrere Reihen nach unten gebogener „Reusenhaare“.

 

Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch Fliegen und Mücken. Diese werden durch den besonders abends von der Pflanze produzierten, intensiven Geruch nach Harn und Aas angelockt. Für uns Menschen riecht die Blüte unangenehm, für die Insekten aber sehr verlockend. Sie werden für die Befruchtung gebraucht. Der Kolben produziert Wärme, dies unterstützt die Verbreitung der Duftstoffe. Im Kessel der Pflanze kann es mehr als 20 Grad wärmer sein als draußen in den möglicherweise noch kalten Frühlingsnächten - angenehm für die Insekten. Angelockt durch den verführerischen Duft rutschen sie an der glatten Wand des Hochblattes in den Kessel, der von der Basis des Hochblattes gebildet wird. Die Reusenhaare halten die Tiere gefangen und verhindern ein frühzeitiges Entweichen. Durch die Form der Blüte, auch als Fliegenkesselfalle bezeichnet, gelangt ein einmal angelocktes Insekt so immer wieder an die Stempel, wodurch eine Übertragung der Pollen gewährleistet wird.

 

Aronstäbe (NABU/C.Pusch)

Das Hochblatt, die Zipfelmütze, steht nur für kurze Zeit aufgerichtet wie ein Segel. Bald welkt es, beugt es sich nach vorn und klappt über den Kolben auseinander. Die gefangenen Insekten können entweichen. Mit dem Pollen des Aronstabes bestäubt fliegen sie zur nächsten Pflanze - und das Spiel beginnt von vorne.
Aus den Blüten entwickeln sich im Spätsommer (August bis September) die Samen enthaltenden Beeren, die zunächst grün und später bei der Reife rot sind.

 

2019 wurde der Aronstab zur Giftpflanze des Jahres gekührt. Alle Teile der Pflanze sind giftig, es kann sogar beim bloßen Berühren der Pflanze zu Rötungen der Haut und Blasenbildung kommen. Der Verzehr von Pflanzenteilen, speziell der roten, süß schmeckenden Beeren, kann Übelkeit und Durchfälle verursachen. Je nach Standort und Reifegrad kann die Giftigkeit der Beeren beträchtlich schwanken. Die Aufnahme der Giftstoffe kann durch Aufnahme medizinischer Kohle  oder Flüssigkeit verhindert bzw. vermindert werden. Der Aronstab wurde früher auch gerne in der Volksheilkunde verwendet.

 

Wer hat sich schon mal die Fliegenkesselfalle des Aronstabs aus der Nähe angeschaut? In diesen Tagen haben Sie die Chance dazu, nutzen Sie doch einmal ihren nächsten Corona bedingten Spaziergang für einen genauen Blick. Und eine Bitte: Belassen Sie unsere Wildpflanzen unbedingt dort, wo sie auch hingehören - in der Natur. Im Bereich der Prinzeninsel und des Schlosswalds weisen auch Hinweisschilder der Stadt Plön deutlich darauf hin.

KW 17/2020

Gar nicht so heimliche Rötelmäuse - leises Rascheln auf sonnigem Waldboden

Wer zur Zeit bei sonnigem Wetter einmal durch die heimischen Buchenwälder spazieren geht, wird sie mit ein wenig Glück und Geduld ganz sicher zu sehen bekommen: die Rötelmaus. Zunächst nimmt man meist nur eine schnelle Bewegung aus den Augenwinkeln wahr oder hört ein Rascheln im trockenen Laub des Vorjahres. Bleibt man nun ruhig stehen und schärft den Blick, entdeckt man häufig, das man meist längst selber beobachtet wird: Aus einem Mauseloch am Fuß einer Buche oder aus der Bodenvegetation beobachten einen zwei dunkle Augen. Meist aber nicht lange, nach kurzer Gefahrenabwägung setzt sich das hektische Mäuschen wieder in Bewegung.

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Der Name der Rötelmaus geht auf die rotbraune Rückenfellfärbung der relativ kleinen, nur bis zu 13cm langen Tiere zurück. Der Schwanz ist relativ kurz, der Körper wirkt eher rundlich,  die Tiere wiegen auch nur 12-35 Gramm.

 

Die Rötelmaus findet sich in großen Teilen Europas und Nordasiens. Sie lebt in Buchenwäldern, in Mischwäldern, waldnahen Hecken, Gärten und Gebüschen, gerne auch in der Nähe von Gewässern. Wer aber jetzt bei einem Spaziergang in unseren Wäldern eine tagaktive Maus zu sehen bekommt, hat praktisch immer eine Rötelmaus vor sich. Die ungefährdete Art ist eines der häufigsten Säugetiere in Deutschland und auch in Schleswig-Holstein.

 

Die Nahrung der zu den Wühlmäusen gehörenden Rötelmaus ist vielseitig. Im Frühjahr werden Gräser, Kräuter und Keimlinge gefressen, im Frühjahr und Herbst kommen Knospen, Samen, Früchte, Moose und Pilze dazu. Eicheln, Bucheckern und andere Samen werden als Wintervorrat eingelagert, dann wird auch gerne Baumrinde gefressen.

 

Nester der Rötelmäuse werden unterirdisch angelegt, ein dazugehöriges weitläufiges Wegenetz verläuft meist nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Zum Bau gehören Blindgänge und Erweiterungen, in denen auch Nahrungsvorräte eingelagert werden und das mit verschiedenen Materialien wie Moos, Laub und Tierhaaren gepolsterte Nest angelegt wird. Rötelmäuse werfen im Freiland zwei- bis maximal dreimal in ihrem Leben. Nach gut neun Wochen sind die Tiere geschlechtsreif. Die Lebenserwartung der Rötelmaus liegt im Mittel bei anderthalb Jahren. In nahrungsreichen Sommern kann es, wie in den vergangenen Jahren mit einer reichen Buchen- und Eichenmast, zu einem schnellen Anwachsen der Population kommen.

 

Da sich die Rötelmaus im Winter auch von Baumrinden ernährt und durch das Fressen von Keimlingen stößt ihr Vorkommen nicht bei allen Waldbesitzern und Förstern auf Begeisterung. Die negativen Auswirkungen der Rötelmaus in einem gesunden Wald sind jedoch eher gering, nennenswerte Probleme  erst bei massenhaftem Auftreten zu verzeichnen. Vor allem auch wegen der Vielzahl natürlicher Feinde regulieren sich selbst große Vorkommen der Rötelmaus allerdings meist verhältnismäßig schnell.

 

Die Liste der Fressfeinde ist daher auch ganz schön lang: neben Fuchs, die Haus- und Baummarder, Iltis, Hermelin oder Mauswiesel nehmen viele Vogelarten wie Waldkauz, Waldohreule, Schleiereule und Uhu gerne Rötelmäuse zu sich, auch Weißstorch oder Graureiher langen gerne zu. Der Mäusebussard kann zurzeit bei noch schütter belaubten Bäumen in den Wäldern z.B. rund um Plön auf Rötelmausjagd beobachtet werden.

  Rötelmaus (NABU/C.Pusch)

Durch die Rötelmaus können auch Krankheiten übertragen werden. Für den Fuchsbandwurm stellt die Rötelmaus einen Zwischenwirt dar. Aber auch der sog. Hanta-Virus wird vor allem durch Rötelmäuse übertragen.

 

Man sollte daher die Rötelmäuse beim Waldspaziergang die Tiere in Ruhe lassen und beobachten, nicht anfassen, vielleicht sogar ein kleines Fernglas mitnehmen, um sie besser beobachten zu können. Gehen Sie auf Mäusepirsch - viel Erfolg!

KW 16/2020

Eine ungewöhnliche Pflanze – die Schuppenwurz

Zu den ungewöhnlichsten Pflanzen in den heimischen Wäldern und Gärten gehört die Schuppenwurz. Nur wenn sie blüht, kann man sie finden. Es handelt um eine vom Parasitismus lebende Pflanze, die nur im zeitigen Frühjahr einen über dem Boden liegenden Spross in Blütenform ausbildet. Im Frühjahr schiebt sich der 10 bis 30 cm hohe Blütenspross der Schuppenwurz durch das am Boden liegende Laub von Haselsträuchern, Buchen, Eichen oder Erlen. Die Pflanze trägt blass wirkende, rosa-violette Blüten. Blätter findet man aber keine, denn die skurrile Pflanze hat eine ziemlich ungewöhnliche Lebensweise.

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Wie bei den Pilzen findet man die Schuppenwurz fast das ganze Jahr über nur unterhalb der Erdoberfläche, wo sie ein reich verzweigtes, bis zu zwei Meter langes Rhizom ausbildet.

 

Die Pflanze hat keine Blätter, die Chlorophyll enthalten. Um an das zum Überleben wichtige Wasser, an Salze und Nährstoffe zu kommen, zapft sie daher die Wurzeln anderer Organismen an und lebt als Vollschmarotzer ausschließlich parasitisch. Mit zu feinen Saugorganen umgebildeten Wurzeln dringt sie in das Wurzelgewebe von bestimmten Sträuchern oder Bäumen ein und zapft deren Leitbündel an, in denen der Wasser- und Nährstofftransport der Wirtspflanze stattfindet.
Im Erdreich bildet sich ein umfangreiches Netzwerk von Sprossachsen, die jeweils mit Reihen fleischiger Schuppen bedeckt sind. Jede dieser blattähnlichen Schuppen besitzt eine zentrale Kammer, die es der Pflanze ermöglichen, Wasser zu speichern. Ohne Blätter fehlt der Schuppenwurz damit auch die Sogwirkung durch die Verdunstung, mit der andere Pflanzen ihren natürlichen Wasserhaushalt regulieren.

 

Erst ab einem Alter von etwa 10 Jahren produziert der Vollschmarotzer selbst Blüten um sich zu vermehren. Sobald die Schneeschmelze einsetzt und die Wirtsbäume wieder mit dem Transport von Wasser in ihre Triebe beginnen, blühen auch die Schuppenwurze. Die Pflanze treibt einen 10 bis 30 cm langen Blütenspross mit in Trauben angeordneten, rosa bis violetten Blüten aus, die durch Insekten und Wind bestäubt werden. Nicht immer treibt die Blüte auch bis an die Erdoberfläche. Wird es im Frühjahr noch einmal sehr kalt, können Schuppenwurzen auch in der Erde blühen und Samen produzieren, da sie in der Lage sind, sich selbst zu befruchten.

 

Die ein bis zwei Millimeter großen, eiförmigen Fruchtkapseln mit den Samen werden durch Wind und Wasser verbreitet. Ein kammförmiges Anhängsel wird gerne von Ameisen gefressen, die daher auch zur Verbreitung von Schuppenwurzen beitragen. Anschließend stirbt der Blütenspross ab. Die Samen müssen möglichst nah an die Wurzel des neuen Wirts gelangen, nur bei einer Distanz von weniger als einem Zentimeter kann das Saatgut keimen.

 

Die Gewöhnliche Schuppenwurz kommt in ganz Deutschland in feuchten Laubmischwäldern oder Auenwäldern an halbschattigen bis schattigen Standorten vor. In vielen Gebieten ist die Pflanze aber bereits bedroht. Da die Pflanze selbst keine Fotosynthese betreibt, kann sie an sehr dunklen Standorten, auf denen sonst kaum oder keine Pflanzen mehr wachsen können, leben. Sie wächst nicht besonders schnell und benötigt keine großen Mengen an Pflanzensäften. Daher nimmt der Wirtsbaum keinen Schaden. Im Winter schützt das Rhizom der Schuppenwurz eine dicke Schicht Laub, das im Herbst von der Wirtspflanze herunterfällt.

 

Schuppenwurz im Laub (NABU/C.Pusch)

In der Medizin oder der Naturheilkunde hat die skurile Pflanze kaum Bedeutung. Man sagte ihr eine Heilwirkung bei Zahnproblemen nach und setzt sie gelegentlich bei Epilepsie ein. Zwar ist die Pflanze nur schwach giftig, empfindliche Menschen können aber auf austretende Säfte empfindlich reagieren.

 

Wer jetzt in diesen Tagen aufmerksam durch die heimischen Wälder spaziert, kann diese ungewöhnliche Pflanze in diesen Tagen noch am Wegesrand finden! Versuchen Sie es doch mal - viel Glück!

KW 15/2020

Der Frühling ist da - die Wildbienen fliegen!

Bedingt durch die Corona-Pandemie haben viele Menschen nun mehr Zeit als sonst, um auf dem Balkon, im Garten oder bei einem Spaziergang - zu Zweit - die warmen Frühlingsonnenstrahlen zu genießen. Dabei gelingen vielen Natur-freunden mit ihren Kindern Naturbeobachtungen, für die sonst gar keine Zeit gewesen wäre. Eichhörnchen toben durch die Hecken, Blau- und Kohlmeisen balgen sich um die besten Nistplätze und an der Wildbienennisthilfe „tobt“ das Leben.

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Als frühe Arten im Jahr, bereits seit Mitte März, können da vor allem die Mauer-bienen beobachtet werden. Besonders die Gehörnte Mauerbiene Osmia cornuta ist aktuell an den Nisthilfen auf dem Balkon oder im Garten besonders auffällig.

 

Die Weibchen der Gehörnten Mauerbiene sind von hummelartiger Gestalt mit einem fuchsroten Hinterleib, 12-16 Millimeter groß und besitzen zwei nach vorne gerichtete, namensgebende Hörnchen. Die Männchen besitzen keine Hörnchen, sind etwas kleiner mit einer auffällig weißen Gesichtsbehaarung.

 

Bei den Wildbienen baut jedes Weibchen ohne Hilfe von Artgenossen sein Nest und legt darin hintereinanderliegende Brutzellen an. Als Nistplatz nutzt die Art Hohlräume aller Art wie Spalten, Ritzen im Mauerwerk, selbst Dübellöcher, Löcher im Verputz, hohle Pflanzenstängel oder Bienennisthilfen. Die Art tritt im zeitigen Frühjahr auf, den Winter haben die Tiere als fertige Insekten in ihren Brutzellen verbracht. Die Männchen schlüpfen einige Tage vor den Weibchen und warten vor dem Brutplatz oder der Nisthilfe auf die Weibchen. Dabei kann es zu größeren Ansammlungen der Bienen kommen - ein wildes Wuseln!

 

Mauerbienen bei der Paarung (NABU/C.Pusch)

Nach der Paarung beginnen die Weibchen mit dem Nestbau. Nachdem ein geeigneter Hohlraum gefunden wurde, reinigen die Bienen diesen. Anschließend legt das Weibchen für jedes Ei eine eigene Brutzelle an. Durch senkrechte Wände aus Lehm und Speichel werden diese gegen die anderen Brutzellen abgetrennt. Das Baumaterial wird vom feuchten Boden aufgenommen und mit den Oberkiefern zum Nest transportiert. Für die Verproviantierung der Brutzellen wird Blütenstaub und Nektar aus der Umgebung gesammelt. Diesen transportiert das Weibchen mit einer auf der Bauchunterseite liegenden Haarbürste zum Nest, man spricht daher auch von einer sog. „Bauchsammlerbiene“. Im Nest formt das Weibchen ein Pollenbrot als Nahrungsvorrat und legt ein einziges Ei dazu. Anschließend wird die Zelle mit einer Querwand verschlossen und die nächste Zelle bearbeitet. So entsteht eine lineare Reihe von Brutzellen, wobei der Deckel der einen Zelle den Boden der nächsten bildet. Anschließend werden die Eier und daraus schlüpfenden Larven sich selbst überlassen. Aus dem Ei schlüpft nach wenigen Tagen eine Made, die sich in den nächsten zwei - vier Wochen vom Pollenvorrat ernährt. Es folgt eine Verwandlung über ein Puppenstadium. Als fertiges Insekt überwintern die Mauerbienen schließlich - und im Frühjahr beginnt alles wieder von vorne. In den dem Nestausgang näher liegenden Zellen schlüpfen nur Männchen, die daher im nächsten Frühjahr auch als erstes schlüpfen. In den weiter hinten liegenden Zellen entstehen hingegen die Weibchen.

 

Die Beobachtung der völlig harmlosen Mauerbienen ist ein spannendes Naturerleb-nis für Groß und Klein! Jeder der Arbeitsschritte der Mauerbienen lässt sich beson-ders gut an einer Wildbienennisthilfe beobachten, die man auch schnell selber bauen oder käuflich erwerben kann. Aber Achtung! Im Handel werden sehr viele Nisthilfen angeboten, die völlig falsch konstruiert sind und nicht funktionieren können! Bevor man da also Unsinn baut oder (sehr) viel Geld dafür ausgibt, sollte man sich beraten lassen oder auf den Internetseiten von Naturschutzorganisationen wie dem NABU informieren.

 

In Schleswig-Holstein kommen knapp 300 Wildbienenarten (in Deutschland fast 600 Arten) vor, davon stehen weit mehr als die Hälfte der Arten auf der Roten Liste. Wenn man Wildbienen auf dem Balkon oder im eigenen Garten helfen will, sollte man als erstes für ein ausreichendes, abwechslungsreiches Blütenangebot aus heimischen Pflanzen, Stauden, Büschen und Bäumen sorgen.

Eine weitere Wildbienenart: Die Sandbiene (NABU/C.Pusch)

Spritzmittel sind selbstverständlich tabu. Ausdrücklich sollten einige Ecken im Garten möglichst offen und mager gehalten werden, um besonders auch im Boden nistenden Arten Brutmöglichkeiten anzubieten. Zwischen 60-70 % der heimischen Arten nisten dort und nicht in den häufig ausschließlich angebotenen Wildbienennisthilfen. Auch hier gilt es einige Dinge zu beachten. Als Material bieten sich Schilfhalme oder Bambus mit einer Länge von 10-20 Zentimeter an, der Durchmesser sollte von 3-8 Millimeter reichen. Darüber hinaus gehende Durchmesser werden nicht besiedelt. Die Halme oder Stengel kann man bündeln und z.B. in einen Holzrahmen stecken. Gut geeignet sind auch Hilfen, die man in möglichst abgelagerte Hartholzscheiben oder Blöcke bohrt (z.B. Buche, Eiche, Esche oder Obstbäume). Auch hier ist eine möglichst große Tiefe (ab 8cm) notwendig, die Durchmesser der Bohrlöcher sollten zw. 2-8 mm haben, die kleinen Durchmesser überwiegen. Die Löcher müssen sehr sauber ausgebohrt werden, es dürfen keine Splitter in die Gänge ragen, da sonst die Flügel der ein schlüpfenden Bienen zerfetzt werden. Völlig unsinnig sind in vielen selbst gebauten oder käuflich erworbenen Nisthilfen immer wieder zu beobachtenden Fächer, gefüllt mit Tannenzapfen, Holzspänen oder –klötzchen, sogar mit Korken.